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Archiv

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Fr 06.03.2015

«Geräusche Tour 2015» Rap, HipHop

Lemur (ex Herr von Grau/D), Mosh Feratu (SH), Afterparty: DJs QBIG & Zenith B (BS)

Infos

Tür 21:00
Beginn 21:30
Eintritt 18.-/13.-
Ab 18 Jahren
Veranst. TapTab

Kein Rap-Business as usual, aber echt: Sowohl Lemur, bekannt als Hälfte von Herr von Grau (R.I.P.), wie auch Mosh Feratu vanhalen mit Worten, öffnen die Türen und Fenster vom HipHop-Haus und lehnen sich schön weit raus. 

Das Rapduo Herr von Grau ist Geschichte. Es lebe Lemur. Benny trennte sich Anfang 2014 von seinem Mitstreiter Kraatz, nun ist er nun als Lemur solo unterwegs. Sein erstes Album «Geräusche» kommt als konsequentes Nicht-Erfüllen-Wollen von Erwartungen daher: Wo Refrains stehen müssten, suchen sich die Tracks gern einen eigenen Weg, Songs brechen plötzlich ab, Beats wandeln sich an den seltsamsten Stellen. Dazu wirds öfter absurd: Üble Hasstiraden schwimmen auf fluffig-leichten Jazzbeats («Eine kleine Hassmusik»), es gibt einen Track über einen Keks («KKK») oder schrullig-schiefe Countryanleihen, die am Ende in Ballermann-Techno verpuffen. Oft bitterböse ironisch und dabei ungemein tight, reimtechnisch höchlich ausgetüftelt. Es gibt Lieder über den hinterfotzigen besten Freund, stotternde Superhelden, das Hartsein, Hassmenschen, stressende innere Kinder, zu lange Afterhours, das Verprügeln von Obst und Gemüse – und jede Menge ungeschönte Selbstreflektion. Das Leben ist ja nicht immer nur Rumgeblödel und Ironie. Musikalisch hört man Anleihen an Bonobo, Portishead oder Flying Lotus ebenso wie an Mobb Deep, Masta Ace, Nineties-HipHop – und am Ende klingt alles nach 100 Prozent Lemur.

Unser Mann Mosh Feratu tüftelt seit Jahren an seinen eigenwillig-kantigen Rhymes und Beats, das kommt scharf und ziemlich zerebral daher und geht immer aufs/ums Ganze – oder in seinen Worten: «Ich rap nicht. / Ich hauch bloss zitternd meinen Atem aus. / Belebe mir die kalten Lippen an der warmen Haut / und schlag die Zähne genau dort ins Fleisch, / wo nur noch feine Narben an den längst verdrängten Wunsch erinnern, fort zu sein. / Dort wos keine Würde gibt, nur Triebgebärden, / wo sich Befürchtung mit dem krankhaften Bedürfnis deckt, geliebt zu werden. / Schon verrückt, dass grade dort noch Leben steckt, wo es sich entgegenstellt zu 'Glück', als wär dies Geborgenheit in tiefer Erde.» Die «Wahnsinn»-Afterparty dreht das Basler Duo QBIG & Zenith B.

Awareness
Fr 06.03.2015

«Geräusche Tour 2015» Rap, HipHop

Lemur (ex Herr von Grau/D), Mosh Feratu (SH), Afterparty: DJs QBIG & Zenith B (BS)

Kein Rap-Business as usual, aber echt: Sowohl Lemur, bekannt als Hälfte von Herr von Grau (R.I.P.), wie auch Mosh Feratu vanhalen mit Worten, öffnen die Türen und Fenster vom HipHop-Haus und lehnen sich schön weit raus. 

Das Rapduo Herr von Grau ist Geschichte. Es lebe Lemur. Benny trennte sich Anfang 2014 von seinem Mitstreiter Kraatz, nun ist er nun als Lemur solo unterwegs. Sein erstes Album «Geräusche» kommt als konsequentes Nicht-Erfüllen-Wollen von Erwartungen daher: Wo Refrains stehen müssten, suchen sich die Tracks gern einen eigenen Weg, Songs brechen plötzlich ab, Beats wandeln sich an den seltsamsten Stellen. Dazu wirds öfter absurd: Üble Hasstiraden schwimmen auf fluffig-leichten Jazzbeats («Eine kleine Hassmusik»), es gibt einen Track über einen Keks («KKK») oder schrullig-schiefe Countryanleihen, die am Ende in Ballermann-Techno verpuffen. Oft bitterböse ironisch und dabei ungemein tight, reimtechnisch höchlich ausgetüftelt. Es gibt Lieder über den hinterfotzigen besten Freund, stotternde Superhelden, das Hartsein, Hassmenschen, stressende innere Kinder, zu lange Afterhours, das Verprügeln von Obst und Gemüse – und jede Menge ungeschönte Selbstreflektion. Das Leben ist ja nicht immer nur Rumgeblödel und Ironie. Musikalisch hört man Anleihen an Bonobo, Portishead oder Flying Lotus ebenso wie an Mobb Deep, Masta Ace, Nineties-HipHop – und am Ende klingt alles nach 100 Prozent Lemur.

Unser Mann Mosh Feratu tüftelt seit Jahren an seinen eigenwillig-kantigen Rhymes und Beats, das kommt scharf und ziemlich zerebral daher und geht immer aufs/ums Ganze – oder in seinen Worten: «Ich rap nicht. / Ich hauch bloss zitternd meinen Atem aus. / Belebe mir die kalten Lippen an der warmen Haut / und schlag die Zähne genau dort ins Fleisch, / wo nur noch feine Narben an den längst verdrängten Wunsch erinnern, fort zu sein. / Dort wos keine Würde gibt, nur Triebgebärden, / wo sich Befürchtung mit dem krankhaften Bedürfnis deckt, geliebt zu werden. / Schon verrückt, dass grade dort noch Leben steckt, wo es sich entgegenstellt zu 'Glück', als wär dies Geborgenheit in tiefer Erde.» Die «Wahnsinn»-Afterparty dreht das Basler Duo QBIG & Zenith B.